...seit 1951
Der Großvater des jetzigen Geschäftsführers Melchior Müller, Dipl.-Kfm. Erwin
Müller, war bereits um die Jahrhundertwende als Verleger tätig; besondere
Anliegen waren ihm – neben zahlreichen Werken zu den verschiedensten
Themenkreisen - die Bereiche Literatur und Kunst. Eine seiner wichtigsten
Publikationen nach dem zweiten Weltkrieg war der „Plan“ (Herausgeber Otto
Basil); ein Periodikum über Kunst, Literatur und Kultur. Am „Plan“ hat eine
Vielzahl der zu dieser Zeit bedeutenden Kulturschaffenden mitgearbeitet bzw.
wurden diese im „Plan“ abgedruckt oder rezensiert, so z.B. Albert Camus, Erich
Fried, Hans Heinz Hahnl, Aldous Huxley, Franz Kafka, Karl Kraus, Friederike
Mayröcker, Adelbert Muhr, Jean-Paul Sartre oder Hans Weigl. Man unterhielt
Redaktionen in Paris, London und der Schweiz.
Bruder von Erwin Müller war Robert Müller, angesehener Schriftsteller seiner
Zeit und um 1990 im großen Stile wiederentdeckt. Mit seinem Bruder gründete
Erwin Müller 1919 die „Literarische Vertriebs- und Propaganda-Gesellschaft mbH“,
kurz : “Literaria“. Diese entwickelte sich zu einer der größten Großbuchhändler-
und Sortimenter-Firmen Wiens, Zweigstellen wurden im Ausland gegründet. Robert
Müller gab jedoch seinen Direktorenposten aufgrund eines sich weitenden
Führungskreises und daraus resultierenden Schwindens des aktivistischen
Ursprungsgedankens auf.
 |
 |
| Cover Plan, Ausgabe 5 |
Vierte Umschlagseite Plan
Ausgabe 4 |
Robert Müller, „exotischer Erzähler, expressionistischer Aktivist,
kulturphilosophischer Essayist und literarischer Manager“, wie Helmut Kreuzer,
der Herausgeber einer ersten Publikation über Robert Müller, formuliert hat,
galt auch als Gegner von Karl Kraus und Freund Egon Schieles sowie Robert
Musils. Schiele porträtierte ihn, Musil widmete ihm einen Nachruf. „Er ist die
reinste Verkörperung des Expressionismus, die Österreich hervorgebracht hat.“
schrieb Hans Heinz Hahnl über ihn in dem 1984 im Österreichischen Buchverlag
erschienenen Buch „Vergessene Literaten. Fünfzig österreichische
Lebensschicksale“. Von 1912 bis 1914 war Müller, der zuvor als Leichtmatrose
anheuerte und nach Westindien verschwand, einer der führenden Köpfe in der
jungen Literatur- und Kulturszene Wiens. Er leitete den „Akademischen Verband
für Musik und Literatur“, in welchem sich alle trafen: Georg Trakl, Albert Paris
Gütersloh, Peter Altenberg, Egon Friedell, Stefan Zweig oder Oskar Kokoschka –
um nur einige zu nennen. 1924 gründete Müller einen eigenen Verlag, den
„Atlantischen“. Doch seine Großzügigkeit und eine katastrophale Finanz- und
Wirtschaftslage zerstörten seinen Traum. Noch im selben Jahr schied Müller
freiwillig aus dem Leben. Er erschoss sich im Laufen. Der bedeutendste Roman
Müllers war „Tropen. Der Mythos der Reise“ (erschienen 1915).